Caritas-Angebot in der Dümptener Flüchtlingsunterkunft

ElternInfoTreff2018
















Jeden Mittwochnachmittag wird die Kinderstube zum Müttertreff. Einmal in der Woche laden
Caritas und Diakonisches Werk gemeinsam Frauen, die in der Dümptener
Flüchtlingsunterkunft leben und deren Kinder in der dortigen Kinderstube der Mülheimer
Diakonie betreut werden, zu einem informativ-geselligen Nachmittag rund um das Thema
„Gesundheit“ ein. Heilpraktikerin Barbara Sund informiert dann im Auftrag der Caritas zu
wechselnden Themen und steht als Gesprächspartnerin bereit. Seit drei Monaten läuft das
vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) finanzierte Kooperationsprojekt und die
Verantwortlichen können eine positive Zwischenbilanz ziehen.

Kulturelle Unterschiede überbrücken, geflüchtete Frauen mit einem ihnen unbekannten
Gesundheitssystem vertraut machen und ihnen allgemein Tipps in Sachen „Gesundheit“
geben, wollten die Mitarbeiterinnen der Schwangerenberatung der Mülheimer
Caritas-Sozialdienste e.V. und beantragten daher Fördermittel beim LVR. Die bewilligte
Zusatzförderung ermöglichte es, zwei Kurse einzurichten, berichtet Anne Genau, die bei
der Caritas Koordinatorin für das Ehrenamt ist: „Eine haben wir Caritas-intern organisiert;
dabei bereitet eine Hebamme Schwangere auf die Geburt in Deutschland vor. Doch für die
zweite wollten wir gerne auf bestehende Strukturen zurückgreifen. Da ich die Kinderstube
kannte, habe ich Kontakt zur Diakonie gesucht.“

Dort traf sie auf offene Türen, berichtet Gabriele Becker-Albrecht, die das Projekt für das
Diakonische Werk koordiniert: „In unseren Kinderstuben betreuen wir je neun Kinder von
Geflüchteten im Alter von einem Jahr bis drei Jahren. Zum Konzept gehören dabei spezielle
Bildungsangebote für die Eltern, die regelmäßig stattfinden sollen. Deshalb waren wir vom
Vorschlag, ein gemeinsames Angebot zu schaffen, gleich begeistert.“ Die Caritas stellt also
die Fachkraft, die Diakonie die Räume und den Kontakt zur Zielgruppe. Zudem ist das Team
der Kinderstube vor Ort, gestaltet den Nachmittag mit und betreut Kinder der Teilnehmerinnen.

Um die fünf Frauen kommen an jedem Mittwochnachmittag, nehmen um einen Tisch Platz und
hören Heilpraktikerin Barbara Sund zu. Keine frontale Infoveranstaltung soll es sein, sondern
„eine lockere Runde“, in der die Frauen lebenspraktische Tipps rund um „Alltagsthemen“
erhalten. Erkältungskrankheiten ist so eins. „Mir war es wichtig zu vermitteln, dass man nicht
immer gleich zu Antibiotika greifen muss“, sagt Barbara Sund. Also hat sie nicht nur eine
Rotlichtlampe mitgebracht, sondern auch Zutaten für Quarkwickel, die gleich ausprobiert
wurden. Auf die Praxis und das Miteinander legt Barbara Sund Wert und dass die Frauen
etwas für den Alltag mitnehmen. Ein anderes Thema, das auf großes Interesse stieß, waren
Impfungen – sind da die Unterschiede im Vergleich zu den Heimatländern doch oft groß. „Ich
habe allgemein vorgestellt, welche Impfungen es gibt und wie in Deutschland geimpft wird.“
Und dann prasselten Fragen auf Barbara Sund ein, denn: „Viele der Frauen haben
Hemmungen, Ärzte etwas zu fragen.“

Bei Barbara Sund hingegen haben die Mütter ihre Hemmungen abgebaut. Das bestätigt
Zeynep Kahveci, die als Tagespflegeperson in der Kinderstube der Diakonie arbeitet und stets
bei den Gruppentreffen dabei ist: „Ich merke, dass die Frauen Barbara Sund inzwischen sehr
vertrauen und ihren Rat annehmen.“ So war etwa der Schlafrhythmus von Kindern Thema in
der Gruppe – und einige Frauen haben daraufhin feste Schlafenszeiten für ihre Kinder
eingeführt. Doch vor allem zeigt sich das Vertrauen darin, dass die Teilnehmerinnen jetzt auch
selbst Themenvorschläge machen – und dabei durchaus Intimes besprechen möchten. So hat
Barbara Sund auf Wunsch der Gruppe über Verhütung aufgeklärt.

Informationen zu gesunder Ernährung und zu Zahngesundheit bereitet Barbara Sund derzeit
auf. Dazu gehört auch, dass sie selbst Infobroschüren mit wichtigen Fakten erstellt, die die
Teilnehmerinnen mitnehmen können. Für Anne Genau von der Caritas ist eben dieses
Engagement Teil des Erfolgs: „Das Team trägt das Angebot, ohne die Damen würde es nicht
klappen.“ So werden auch kulturelle Unterschiede überbückt; es sind Freundschaften über
Nationen hinweg entstanden, wie Zeynep Kahveci erzählt: „Für die Frauen ist das ein Termin,
an dem sie unter sich sind und sie etwas für sich selber tun können.“ Eben das war das Ziel
des Angebots, auch wenn es offiziell den Titel „Eltern-Info-Treff“ trägt. „Wir merken in unserer
täglichen Arbeit immer wieder, dass wir die Mütter gezielt ansprechen müssen“, sagt Gabriele
Becker-Albrecht von der Diakonie. „Sonst kommen die Frauen nicht raus, sitzen nur zu Hause.
Auch deshalb sind wir froh, dass es uns gelungen ist, etwas für Frauen zu installieren.“

Das Projekt ist bis Ende Februar 2018 gesichert; jedoch hoffen die Verantwortlichen, es über
dieses Datum hinaus fortführen zu können.